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Willkommen auf ewertonline.de,
meinem Blog über Schottland, Whisky, Kochen und mehr. Ich freue mich, dass Sie hierher gefunden haben.

 

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Wie sich wahrscheinlich ja schon rumgesprochen hat ist 2018 das Jahr der Veränderungen im Whiskykoch. Abzusehen war dies ja schon Ende letzten Jahres als das Geschäft wegen Umbaus geschlossen war und die 3D Treffen im Exil stattfanden. (Siehe Berichte vom Oktober 2017 und November). Der Dezember 3D fand dann schon im umgebauten Whisky-Koch statt, aber noch zum gewohnten Tag und Uhrzeit.

Mit der Eröffnung des Restaurant-Bereichs, dem Mr. Pepper`s, war klar, dass der 3D-Treff „umziehen musste“. Um den markigen Namen zu behalten war natürlich der Dienstag der Tag der Wahl :).
Leider konnte ich aus beruflichen Gründen den ersten 3D am neuen Termin nicht wahrnehmen und so sollte der März 3D der erste Termin sein um mit dem neuen Wochentag „warm“ zu werden.

Ich war also völlig stolz darauf, dass ich es geschafft hatte mir den richtigen Dienstag zu merken, als ich am 20.03.2018 gegen 20:00 Uhr den Laden von Chris und Marion betrat… und erst einmal völlig perplex mitten im Eingang stehen blieb, weil schon eine beträchtliche Anzahl an Whisky-Enthusiasten rund um die neunen Tische saß und das schon beim 3. Glas.
Ein Blick auf die Uhr und zur Sicherheit aufs Handy zeigte mir, dass mich mein Zeitmesser nicht im Stich gelassen hatte – also musste sich die Startzeit geändert haben, was mir Chris dann auch bestätigte. Oha! Das hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Allerdings hatte ich mich auch nicht mehr auf der Webseite diesbezüglich informiert und ein großer Facebook Freund bin ich nie geworden.

Peinlich, peinlich! dachte ich mir und setzte mich in die Runde um kurze Zeit später drei der 4 Gläser nachgereicht zu bekommen, die sich im Laufe des Abends vor mir ansammeln sollten.
Beim kurzen Gespräch in der Runde zeigte sich aber auch schon, dass ich auch bis zu diesem Zeitpunkt schon nicht der erste Nachzügler gewesen bin, denn man hatte bereits vorher schon ein paar mal Whiskys nachreichen müssen…und ich sollte auch nicht der letzte Nachzügler bleiben.
Für die Teilnehmer, die die Webseite besucht hatten, muss der Abend dann wohl so ähnlich verlaufen sein, wie für Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ der sich immer wieder wiederholende Tag. Whisky probiert….besprochen … bewertet…Tür geht auf und Nachzügler kommt rein…alles auf Anfang!

Auch nach meinem Eintreffen wiederholte sich das Spielchen noch einige male und ich gebe zu, dass ich recht froh darum war, nicht der Einzige gewesen zu sein, dem die Startzeit-Änderng völlig neu war.
Grundsätzlich kann ich die Vorverlegung natürlich nachvollziehen, denn durch den Restaurant-Betrieb von Mittwoch bis Samstag und die Events wird es für Chris und Marion natürlich jeden Abend recht spät und sie sind froh, wenn sie wenigstens an 1-2 Abenden in der Woche nicht erst spät abends nach Hause kommen. Für mich persönlich (und vielleicht auch für manch anderen 3D Enthusiasten) ist die Terminverlegung in sofern schwierig, als dass ich es alleine aufgrund meines Berufs nun nicht mehr schaffen werde pünktlich zu erscheinen, was, wenn es so läuft wie an diesem 3D, ein wenig die von mir geschätzte Atmosphäre der Ruhe und Entspannung dieser Abende zunichte machen wird. Man wird sehen.

Doch nun zum Wesentlichen, den Whiskys des Abends.

Als Eichwhisky fungierte wieder der hervorragende Privat Stock von Adelphi, den ich hier wohl nicht weiter vorstellen muss, da er uns nun schon etliche Monate als Messlatte für die Whiskys des Abends begleitet.

Starten wir also mit

Whisky No. 01

Hier kann ich jetzt nur meine eigenen Noten wieder geben, da dieser Whisky bei meinem Eintreffen schon besprochen und bewertet war. Beim Nosing machte dieser Whisky auf mich einen eigentümlichen Eindruck. zunächst konnte ich die Aromen nicht ganz zuordnen und lediglich „süßlich“ notieren. Doch nachdem der Whisky im Glas ein wenig geatmet hatte erinnerte mich der Geruch an den Duft, den unsere Wohnung durchzieht, wenn ich frisch gebackene Schokoladen Muffins aus dem Ofen geholt habe.

Auf der Zunge wirkte der Whisky anfangs etwas pfeffrig und machte insgesamt einen eher leichten Eindruck. Die süßlichen Noten aus dem Nosing spiegelten sich in einer leichten Toffee Note wieder die mit einem Hauch Rauch durchzogen war.
Wirklich zuordnen konnte ich diesen Whisky weder einer Region noch einer Destillerie. Lediglich der gerade erst verstrichene St. Patricks Day ließ mich in Richtung Irland denken. Insgesamt schmeckte er mir aber nun wirklich nicht schlecht und so vergab ich 6/10 Punkten, was sich, wie sich zeigen sollte recht gut mit den bereits abgegebenen Stimmen decken sollte. Denn der Tropfen wurde mit 5,13/10 Punkten an diesem Abend bewertet.

Es handelte sich tatsächlich um einen Iren der West Cork Destillers.

West Cork Bog Oak Charred Cask – 5,13/ 10 Punkten im Tasting – Platz 3

Die Destillerie verwendet das in Irland typische 3-fach Verfahren zum destillieren seiner Whiskys.

Der hier probierte „Bog Oak charred Cask“ Whisky erhält sein besonderes Aroma dadurch, dass die Fässer in denen der Whisky gelagert wird zuvor mit dem Holz alter Mooreiche ausgebrannt. Abgefüllt wurde der Whisky mit 43% Trinkstärke und zwar ungefärbt und unfiltriert.

Leider reichte die durchaus gute Wertung an diesem Abend jedoch nur für den dritten Platz.

Whisky No.02

Der zweite Tasting-Kandidat des Abends zeigte sich beim Nosing gleich von seiner süßen Seite, was recht schnell auf eine Sherry-Fass Lagerung schließen ließ. Orangennoten, Holz, Malz und Kirsche kitzelten die Rezeptoren.
Auf der Zunge stellte sich zunächst ein leichtes Brennen ein, ehe sich dunkle Schokolade, süßliche Noten mit einem leicht bitteren Beigeschmack ein Stelldichein gaben. Insgesamt durchaus nicht uninteressant, aber leider im Finish mit einem recht kurzen Abgang.

Auch hier war es wieder schwer einzuschätzen wo der Whisky her kam. Scheinbar hatte sich Chris gedacht, dass nach einem Iren vielleicht en EU-Mitglied eine gute Wahl wäre in Anbetracht der schwierigen Brexit-Situation, denn es handelte sich um einen französischen Amorik.
Hergestellt wird dieser Whisky von der bretonischen Warenghem Destillerie und da ich schon mehrere Whiskys aus diesem Haus probiert habe, muss ich anerkennen, dass die Franzosen durchweg eine gute Qualität abliefern.

Der „Maitre de Chai“ ist eine jährliche (limitierte) Abfüllung und in diesem Fall auf 2000 Flaschen limitiert.

Amorik „Maitre de Chai“ 46% – 5,4/10 Punkten – Platz 2

Abgefüllt wurde er,  nach einer unbestimmt langen Lagerung in Oloroso Sherry Fässern, mit 46% ohne gefärbt, oder filtriert zu werden. Der Whisky erzielte an diesem Abend 5,4/10 Punkten und verwies den Iren damit zurück auf die Insel – ääh den dritten Platz.

Whisky No.03

Blieb die Frage, ob unser finaler Whisky noch eine Steigerung darstellen würde.
Das Nosing verriet sofort, dass wir es hier nicht mit einem „Süßen“ zu tun haben würden, denn Rauch und Phenole kitzelten die Nase. Dass wir uns da vielleicht täuschten verriet höchstens ein Hauch Süße unter diesen hervorstechenden Aromen.

Auf der Zunge dominierten zunächst kräftige Noten von Pfeffer, Rauch, Holz, Malz und Lakritz, die eine wahre Geschmacks-Explosion erzeugten um in einem wirklich laaaangen Abgang auszuklingen. Dass es sich trotzdem um einen versteckten „Süßen“ handelte erschloss sich erst, wenn man dem Whisky eine gute Portion Wasser zufügte. Dann explodierten plötzlich zusätzlich noch enorme süße Noten auf der Zunge. Ein ganz exzellenter Tropfen, der auch in der Gesamtnote entsprechend gewürdigt wurde.

The Whisky Chamber „Buair an diabhail of Islay No. 01“ – 7,31/10 Punkte – Platz 1

Es ist schon erstaunlich, welch fantastisches Händchen Thomas Ide bei der Auswahl seiner Whiskys hat, denn es ist nicht das erste Mal, dass eine seiner Abfüllungen Sieger unseres 3D Tastings wurde.
In diesem Fall ging der gerade beschriebene „Buair an diabhail of Islay No.01“ aus dem Hause „The Whisky Chamber“mit großem Vorsprung als erster durch das Ziel. Abgefüllt wurde dieser Whisky mit 58%, nachdem er vorher 9 Jahre lang in einem einzelnen Sherry Fass lagern durfte. Natürlich, wie eigentlich immer bei Thomas Ide, ohne gefärbt oder filtriert worden zu sein. Das Sherry Fass erklärt natürlich die Süße, die sich beim Aufschließen mit Wasser präsentierte.

Insgesamt erhielt der Whisky 7,31/10 Punkten, wobei sich unter den Wertungen sogar eine 10 (per Vereinbarung=Flasche kaufen Pflicht) befand.
Somit stand natürlich auch unser Tagessieger zweifelsfrei fest.